Geschichte der Stadtwerke

Geschichte Ihrer lokalen Versorgung


In den vorangegangenen Jahrhunderten bestimmte das natürliche Tageslicht die Arbeitsdauer. Künstlich erzeugtes Licht war teuer, Wachs konnten sich nur Begüterte leisten. Der Normalbürger verwendet Öl- oder Talglichter, sowie Kienspäne. Eine Folge davon war, daß die Arbeitszeit im Winter kürzer als im Sommer war.



Die Industrialisierung forderte jedoch einen gleichmäßigen Arbeitstakt, der unabhängig vom Tageslicht sein mußte.



Auslöser für die Einführung der Stromversorgung der Stadt Herzogenaurach war jedoch das Anliegen, Straßenlaternen aufzustellen. Bereits um 1858 wurde in der Stadt der Vorschlag gemacht, die Herzogenauracher Straßen mit Laternen zu beleuchten. Doch scheiterte dieses Vorhaben an den nötigen Unterhaltskosten. Erst 1865 wurden die Straßen Herzogenaurachs durch Petroleumlaternen beleuchtet.



1901 wurde eine erste Anfrage an die "Electro-technische Abtheilung des Bayerischen Gewerbemuseums" in Nürnberg gerichtet. In einem Gutachten sollte geklärt werden, ob sich die Eichenmühle zur Errichtung eines "Electricitätswerkes für die Beleuchtung der Stadt Herzogenaurach" eignen würde.´


Im Gutachten vom 20.04.1901 hieß es, daß das Einbauen eines neuen Wasserrades in der Eichenmühle für die Betriebsdauer von sieben Arbeitsstunden die Leistung von 6 PS erbringen könnte. Die Stadt würde z.Zt. durch ca. 50 Petroleumlaternen beleuchtet, "Werden nun diese 50 Laternen durch electrische Glühlampen zu je 16 Hefner-Einheiten Leuchtkraft ersetzt, so ist hierzu eine electrische Energie von rund 3000 Watt nötig, und dieser entspricht wiederum eine Antriebskraft von 5 1/2 - 6 PS an der Welle des Wasserrades, wobei die Verluste in der Stromleitung, der Dynamomaschine und dem Vorgelege schon berücksichtigt sind. Es geht hieraus hervor, daß es möglich ist, mit der an der Eichenmühle zur Verfügung stehenden Wasserkraft ohne Zuhilfenahme von Akkumulatoren die electrische Beleuchtung der Stadt Herzogenaurach in dem Umfange der jetzigen Beleuchtung mit Sicherheit zu betreiben."


Allerdings würde es der niedrige Wasserstand im Winter und damit die niedrigere Leistung unmöglich machen, weitere Verbraucher der Straßenbeleuchtung oder gar private Abnehmer anzuschließen.


Die Umwandlung der Petroleumstraßenbeleuchtung durch elektrische Lampen wurde mit höchstens 15 - 20.000 Mark

veranschlagt. Der Stadtmagistrat unter Bürgermeister Valentin Welker wollte jedoch zunächst die Vereinigung der Tuchmacher zu einer Genossenschaft abwarten, um weitere Stromabnehmer zu gewinnen und stellte daher dieses Vorhaben zurück.


Im Jahr 1904 entschloß sich jedoch der Stadtmagistrat, ein Gaswerk zu errichten, um damit die Straßenbeleuchtung sicherzustellen. Die Folgen des ersten Weltkrieges erforderten am 23.08.1917 eine Eingabe an die Königliche Regierung von Oberfranken.


In der Entgegnung aus München vom 18.09.1917 befürwortete das Staatsministerium des Innern den Anschluß Herzogenaurachs an das Fränkische Überlandwerk in Nürnberg. Grund dafür war, daß durch Kohlenmangel die Herstellung kriegswichtiger Güter in der Fabrikfiliale der fränkischen Schuhfabriken Nürnberg in Herzogenaurach gefährdet war. Jedoch brachten diese Bemühungen der Stadtväter von Herzogenaurach zunächst keinen Erfolg.


Die fortschreitende Stadtentwicklung forderte aber die Elektrifizierung. In einem Schreiben an das Electrotechnische Laboratorium in München vom 13.02.1919 wurde daher um eine Beratung nachgesucht. Die Stadt besaß zu diesem Zeitpunkt rund 3.400 Einwohner und wurde mit Acetylengas versorgt.


In einem Brief an die Schuhfabrik J. Weil in Fürth, am 10.01.1920, wurde deren Anfrage jedoch abschlägig beurteilt: "Die Elektrizitätsversorgung des gesamten Stadtgebietes wurde durch einstimmig gefaßten Beschluß des Stadtrates wegen der erdrückenden Teuerung zurückgestellt."


Der Beschluß, Herzogenaurach an die Elektrizitätsversorgung anzuschließen, erfolgte dann am 27.09.1920. Bürgermeister Wilhelm Bausch konstatierte am 16.11.1920 den schlechten Zustand des Gaskessels, ein Schaden sei bereits vorprogrammiert. Die schlechte Qualität des Karbids, die nur noch 70% Ausbeute erlaube und der hohe Preis würden daher den Wechsel zu Strom als Energieträger nahelegen. Ebenso empfahl der Beamte des Bayerischen Revisions-Vereins nach einer Überprüfung, die Versorgung Herzogenaurachs mit Elektrizität tatkräftig in die Hand zu nehmen.


Vorrangiger Zweck war es, die Entwicklung der Stadt, besonders der zahlreich entstandenen Kleinindustriebetriebe, zu fördern. Die Kosten des Ortsnetzausbaues wurden am 28.01.1921 bereits mit ca. 1.000.000 Mark veranschlagt.


Den Auftrag zur Ausführung des Ortsnetzausbaues erhielt die Zweigniederlassung der Firma Eisenbahnbaugesellschaft Fa. Becker & Co. in Bamberg, für 671.000 Mark. Verhandlungen wegen der Stromlieferung wurden mit dem oberfränkischen Überlandwerk, dem Überlandwerk Thalermühle und dem Bauernkraftwerk Wellerstadt geführt. Diese ergaben, daß nur ein Anschluß an das oberfränkische Überlandwerk in Betracht kam. Probleme bereitete besonders die Aufnahme von Kapital zur Finanzierung.


Stadtratssitzung vom 14.06.1921 wurde beschlossen, die Transformatorenstation 1 auf dem Holzplatz bei der Bieg zu errichten. Erbaut werden sollte diese auf Kosten des oberfränkischen Überlandwerkes. Die 2. Transformatorenstation, oder auch Nebenstation, sollte auf Kosten der Stadtgemeinde westlich des Schießhauses errichtet werden.


Zwischen Herzogenaurach und dem Überlandwerk Oberfranken Bamberg wurde ein Stromlieferungsvertrag abgeschlossen.


In § 2 wurde festgelegt, daß ein elektrisches Drehstromverteilungsnetz für die Spannung von 220 bzw. 380 Volt eingerichtet werden sollte. Ein Passus des Vertrages befaßte sich mit der bisherigen Stromabnahme durch die Vereinigten Fränkischen Schuhfabriken, "Auf die Dauer des vorliegenden Vertrages der Stadtgemeinde mit der Vereinigten Fränk. Schuhfabrik vom 09. und 24. September 1917, das ist bis September 1922, bezieht Ver.Fränk.Schuhfabriken ihren Strom vom fränkischen Überlandwerk weiter."


Der Vertragsentwurf vom 19.06.1921 wurde am 29.06.1921 ratifiziert. Ein Stadtratsbeschluß vom 29.08.1921 legte fest: "Am 17. September 1921 soll das Ortsnetz erstmals unter Strom genommen werden."


Aus unterschiedlichen Gründen ergab sich eine zeitliche Verzögerung. Erst am 24.09.1921 floß der Strom nach Herzogenaurach, allerdings nicht in der gewünschten Qualität. In einem Brief an das oberfränkische Überlandwerk Bamberg vom 13.10.1921 wurde moniert: "Das Ortsnetz Herzogenaurach ist nunmehr seit 24.09. unter Strom gesetzt. Die Versorgung gibt jedoch zu lebhaften Klagen Anlaß. Abends, bei Einschaltung der Beleuchtung, ist das Licht nur mangelhaft und kann weder zur Arbeit noch sonstwie gebraucht werden."


Aus diesem Grund führte die Stadt am 08.11.1921 Beschwerde an die Regierung von Oberfranken, daß das oberfränkische Überlandwerk nur mangelhaft Strom liefere. Als Entschuldigung wurde vorgebracht, daß die Dieselmotorenanlage in Hirschaid nicht rechtzeitig zum 1. Oktober fertiggestellt werden konnte und daher Schwierigkeiten aufgetreten seien. Einige Zeit später besserten sich die Bedingungen.


Aus dem Briefwechsel ist ersichtlich, daß neben der Straßenbeleuchtung bereits Strom durch Fabriken und Privatpersonen bezogen wurde. Die Stromabnehmer waren auf den Dächern an Rohren angebracht und als Freileitungen von Haus zu Haus gespannt.


Im Jahres- und Tätigkeitsbericht des Elektrizitätswerkes für 1924 wurden 800 Lichtanschlüsse und 125 Kraftanschlüsse aufgeführt. Damit wurden 5787 Glühlampen und 175 Motoren mit 644 PS betrieben. Im Jahresbericht für 1927 steigerte sich dies auf 6816 Lampen und 238 Motoren mit 794,6 PS. Außerdem wurden 24 ganznächtige und 58 halbnächtige Straßenlaternen mit Strom versorgt. Im Jahres- und Tätigkeitsbericht 1929/30 hatte das Ortsnetz über 9 km Länge erreicht. "Insgesamt sind jetzt angeschlossen 7495 Lampen und 283 Motoren mit 930,5 PS, daraus ist ersichtlich, daß sich die Elektrizitätsversorgung und die damit zusammenhängende Arbeit von Jahr zu Jahr vermehrt."


Die Freileitungen waren jedoch schon in der damaligen Zeit nicht unproblematisch: "Auch durch das Hineinfliegen der Gänse in die Leitungen kommen häufig Leitungsstörungen vor, so erst kürzlich in der Hinteren Gasse, wobei zwei Drähte durchbrannten und durch neue ersetzt werden mußten."


Da der Stromverbrauch stieg, wurde auf Stadtratsbeschluß vom 06.02.1930 die Transformatorenstation III im Garten der Brauerei Hubmann am Schloßgraben geplant.


Im Jahres- und Tätigkeitsbericht des Städtischen Elektrizitätswerkes Herzogenaurach 1933/34 hatten sich die Zahlen nochmals gesteigert: "Das Ortsnetz hat eine Ausdehnung von 9,5 Kilometern mit 495 Dachständern, 91 Masten und 43 Giebelanschlüssen. Die Turmbeleuchtung wurde an die halbnächtige Leitung angeschlossen."


Das Kriegsende brachte starke Einschränkungen mit sich. Am 07.05.1945 ließ Bürgermeister Adam Hubmann mitteilen: "Vorläufig muß bis auf weiteres täglich von mittags 12 Uhr bis 8 Uhr abends eine Stromsperre zur Durchführung kommen."



Erst allmählich normalisierte sich die Lage im Nachkriegsdeutschland. Das Wachsen der Industrie brachte eine erhöhte Nachfrage nach elektrischer Energie mit sich. 1952 wurde das Betriebsgelände an der Aurach bezogen. Gleichzeitig wurde die Übergabestelle für den Strombezug eingerichtet. Zu diesem Zweck war eine Trafostation mit der Bezeichnung Köpfwasen entstanden. Weitere Stationen befanden sich An der Bieg, Am Schloßgraben, Hans-Sachs-Straße, Flughafenstraße, Würzburger Straße und Industriestraße. Die ehemalige Station neben dem Schießhaus war überflüssig geworden und wurde daher aufgelöst.

In den Jahren 1957/58 begann am Welkenbacher Kirchweg erstmals die Verlegung von Erdkabeln. Die Stadtwerke bauten die anfälligen Freileitungen ab und erweiterten das Stromnetz für Wohn- und Gewerbegebiete.

1985 war ein neues Umspannwerk bei Burgstall errichtet worden. Am 06.10.1987 wurde ein zweiter Transformator in Betrieb genommen. Die Stadtwerke verfügten damit über eine doppelt abgesicherte Verbindung zum überregionalen 110.000-Volt-Netz. Damit war die Stromeinspeisung auf den neuesten Stand der Technik gebracht worden. Die Gesamtkosten für das Umspannwerk betrugen rund 6 Mio Mark. Davon wurde die eine Hälfte von den Stadtwerken, die andere Hälfte von der Energieversorgung Oberfranken aufgebracht.

Der Bedarf an Strom für private und gewerbliche Verbraucher ist stetig am Steigen. Seit Januar 2000 kann auch Ökostrom der Marke "Herzo Natur" aus hiesigen Quellen von den Stadtwerken bezogen werden.

Neben der sicheren und ausreichenden Bereitstellung von Strom für Industrie, Gewerbe, öffentliche Einrichtungen und private Haushalte, sehen die Herzo Werke ihre Aufgabe in der Beratung der Kunden zum sinnvollen Umgang mit Energie.

Im Rahmen der Liberalisierung des deutschen Strommarktes hat die Herzo Werke GmbH frühzeitig die neuen POWERtarife in Small-, Medium- oder Large-Varianten allen Stromabnehmern angeboten. Die automatische Bestabrechnung steht dabei im Mittelpunkt.